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Auf die Plätze, fertig, nass! – Feierlicher Spatenstich für die Wiedervernässung an der Sernitz

in Aktuelles
01. April 2025
Angermünde
Eine Gruppe von Menschen steht auf einer Wiese um einen Bagger, der ein Loch im Boden gräbt – symbolischer Spatenstich zur Wiedervernässung eines Moores (Sernitz) bei Angermünde.
Lucas Treise/BioFilm/Michael Succow Stiftung

Spatenstich mit Symbolkraft

Mit einem feierlichen Spatenstich fiel der Startschuss für die Wiederherstellung der Torfwiesen im Sernitz-Moor im Rahmen der toMOORow-Initiative. Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft kamen am 1. April in Angermünde zusammen, um diesen Meilenstein zu würdigen. Der Spatenstich markiert nicht nur den Beginn praktischer Maßnahmen zur Wiederherstellung eines wertvollen Ökosystems, sondern auch das Engagement für eine zukunftsfähige Wirtschaft, in der Moore nass, umweltschonend und gleichzeitig produktiv genutzt werden können. 

Moore sind unverzichtbare Ökosysteme, die nicht nur enorme Mengen an Kohlenstoff speichern, sondern auch den Wasserhaushalt regulieren und Lebensraum für seltene Arten bieten. Doch durch jahrzehntelange Entwässerung sind viele Moorgebiete stark degradiert. Die toMOORow-Initiative, getragen von der Michael Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum und der Umweltstiftung Michael Otto, setzt hier an und nutzt die Torfwiesen im Sernitz-Moor als Modellprojekt. Hier werden zunächst Maßnahmen zur Wiedervernässung, wie der Rückbau von Entwässerungsgräben und das Errichten von Sohlschwellen zur Wasserrückhaltung umgesetzt. Anschließend wird in Zusammenarbeit mit lokalen Landwirt*innen eine nachhaltige Nutzung durch Nasswiesen-Paludikultur etabliert. Die geplanten Maßnahmen tragen nicht nur zum wichtigen Wasserrückhalt in die Landschaft bei, sondern ermöglichen auch die Wiederansiedlung moortypischer Pflanzen- und Tierarten. Darüber hinaus wird die Reduzierung von Treibhausgasemissionen um bis zu 1.200 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr angestrebt.  

Steffi Lemke, Cem Özdemir, Prof. Dr. Michael Otto und Prof. em. Michael Succow

Vier Personen stehen nebeneinander im Freien und lächeln in die Kamera. Alle tragen wetterfeste Kleidung.
Lucas Treise/BioFilm/Michael Succow Stiftung

Bundesumweltministerin Steffi Lemke, Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, Prof. Dr. Michael Otto und Prof. em. Michael Succow beim symbolischen Spatenstich zur Wiedervernässung des Sernitz-Moors.

Paludikultur: Wirtschaft trifft Klimaschutz 

Zukunftsfähig ist die Wiedervernässung der Torfwiesen im Sernitz-Moor besonders dank der wirtschaftlichen Chancen, die sie bietet. Durch die Einführung von Paludikultur kann Biomasse als nachhaltiger Rohstoff genutzt werden, beispielsweise für die Produktion von Verpackungs- und Baumaterialien oder als Futtermittel. Die Rolle umweltfreundlicher Landwirtschaft im Bereich Moorschutz betont auch der geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir: 

“Entscheidend ist, dass wir gemeinsam mit allen Akteuren zukunftsgerichtete Lösungen finden, die sich auch für die Landwirtinnen und Landwirte finanziell lohnen. Paludikulturen bieten hier eine innovative Perspektive. Genau diese Verbindung von Schutz und Nutzen verfolgt die toMOORow-Initiative. Sie beweist eindrucksvoll, wie Klimaschutz und wirtschaftliches Handeln zum Wohl unserer Lebensgrundlagen sowie der Entwicklung ländlicher Räume zusammengeführt werden können. Wir müssen den Schutz der Moore und eine zukunftsfähige Landwirtschaft zusammendenken.” 

Prof. em. Dr. Michael Succow und Prof. Dr. Michael Otto

Mit dem Spatenstich beginnt ein weiterer wichtiger Baustein für den Moorschutz in Deutschland. Prof. em. Dr. Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises und Stifter der Michael Succow Stiftung, betont die Bedeutung des Vorhabens: 

„Inzwischen haben wir begriffen: Moore müssen wieder wachsen dürfen, damit sie CO₂ in Form von Torf akkumulieren, Last- und Schadstoffe festhalten, als große Verdunstungsflächen und damit Kühlräume für die sich ständig erhitzende Erde dienen können. Insbesondere bei Niedermooren, zu denen auch die Sernitz-Torfwiesen zählen, muss möglichst viel der oberirdischen Biomasse abgeschöpft werden – durch weidende Tiere oder Mahd mit angepasster Technik. Ich freue mich, dass wir in der toMOORow-Initiative so starke Partner haben, um das künftig hier umzusetzen. Bei diesem Projekt geht es also nicht allein um Naturschutz, sondern um unsere Zukunftsfähigkeit!“ 

Auch Prof. Dr. Michael Otto, Vorsitzender des Kuratoriums der Umweltstiftung Michael Otto und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Otto Group, hebt hervor: 

„Es war mir ein großes persönliches Anliegen, im Jahr 2021 über die Umweltstiftung Michael Otto und gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Succow und seinem Team die toMOORow-Initiative ins Leben zu rufen. Schließlich verbinden wir hier Klimaschutz mit innovativer, nachhaltiger Landnutzung. Die ersten Ergebnisse des im Jahr 2024 von toMOORow initiierten Unternehmensverbunds ‚Allianz der Pioniere‘ zeigen, dass es nicht nur in der Theorie ein ökonomisches Potenzial für die Bewirtschaftung nasser Moore gibt. Der heutige Spatenstich in den Sernitz-Torfwiesen ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Kombination aus Moorschutz und landwirtschaftlicher Nutzung ein vielversprechender Weg ist. Nun müssen wir das in die Breite tragen und auch in der Politik und in der Landwirtschaft die Weichen dafür stellen, dass möglichst schnell viel Moorfläche wiederhergestellt wird und die dort entstehende Biomasse als nachwachsender regionaler Rohstoff von unserer heimischen Wirtschaft genutzt werden kann.“ 

Bedeutung der Wiedervernässung

Bundesumweltministerin Steffi Lemke unterstützt das Projekt ebenfalls und hebt insbesondere die Bedeutung der Moorwiedervernässung für die Erreichung der deutschen Klimaziele hervor:

“Das Sernitz-Moor ist so ein Leuchtturmprojekt, denn es bringt den natürlichen Klimaschutz und nachhaltige Landnutzung zusammen. Die Wiedervernässung von Mooren ist eine der effektivsten Maßnahmen für den Klimaschutz. Projekte wie dieses zeigen, wie wir Klimaschutz, Naturschutz und wirtschaftliche Perspektiven miteinander verbinden können.”

Mit voller Power!

Eine Gruppe von Menschen steht mit Spaten vor einem Erdwall und wirft gleichzeitig Erde in die Luft – symbolischer Spatenstich zur Wiedervernässung auf einer Wiese unter bewölktem Himmel.
Spatenstich in der Sernitz am 1 April 2025 // Lucas Treise/BioFilm/Michael Succow Stiftung

Spatenstich zur Wiedervernässung des Sernitz-Moors im Rahmen der toMOORow-Initiative am 1. April bei Angermünde.

Gemeinsam für eine moorreiche Zukunft 

Das Sernitz-Moor, gelegen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und Teil des Nationalen Naturerbes, wird durch die hier entwickelten Maßnahmen zu einem Vorbild für weitere Moorprojekte in Deutschland und Europa. Die Initiative setzt damit die jahrelange Arbeit für die Wiederherstellung natürlicher Verhältnisse im Sernitz-Moor im Rahmen des LIFE Projekts „Schreiadler“ fort. In Abstimmung mit Anwohner*innen und Landnutzer*innen wurden Maßnahmen für Wasserrückhalt entwickelt, Weiden für Wasserbüffel eingerichtet und ein Moorerlebnispfad gestaltet, um nur einen Ausschnitt des erfolgreichen Projekts zu nennen. Michael Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum, und die Umweltstiftung Michael Otto arbeiten in diesem Vorhaben eng zusammen. Möglich war das dank der großzügigen Spenden und Unterstützung unserer Förderer Greenpeace, BMW Foundation und Stiftung Zukunft jetzt!, von OTTO und Globetrotter sowie der weiteren Spendenden aus der Otto Group – BAUR, bonprix, HERMES, Systain und WITT.

So kann das Projekt sowohl durch seine direkte Wirkung als auch durch seinen Modellcharakter einen bedeutenden Beitrag zum Moorschutz und zur Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft leisten.