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Paludikultur stärken: Bundesumweltminister zu Gast in Greifswald

Carsten Schneider, Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und Dr. Till Backhaus, Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommerns halten den Beweis in den Händen: der Versandkarton von OTTO zeigt das Paludikultur funktioniert, (c) Greta Gaudig/Greifswald Moor Centrum

Bundesumweltminister Carsten Schneider unternahm im Juli seine offizielle Antrittsreise nach Mecklenburg-Vorpommern – und wir von toMOORow mit unserem Gründungsmitglied, der Michael Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum, sorgten dafür, dass er dabei viel über das Thema Moor und Paludikultur erfuhr. 

Vor Ort informierte er sich über Restaurierungsmaßnahmen, aktuelle Forschungsprojekte und wirtschaftliche Perspektiven für den Moorschutz. Bei Führungen durch das Naturerbe Karrendorfer Wiesen, verschiedene Forschungseinrichtungen der Universität Greifswald sowie die Moorbibliothek wurde deutlich: Moore sind nicht nur bedeutende Kohlenstoff-Speicher, sondern auch ein zentraler Hebel für Klimaschutz, Biodiversität und nachhaltige Wirtschaftsmodelle. Wir nutzten den Anlass, um ihn zu fragen, wie er aus der Politik heraus Paludikultur voranbringen will. 

Welche Chancen für und mit Paludikultur sehen Sie in Deutschland?

Bundesumweltminister Carsten Schneider: Um das Klima zu schützen und gleichzeitig den Folgen des Klimawandels etwas entgegenzusetzen, brauchen wir nasse Moore. Wenn Moore intakt sind, binden sie Kohlenstoff und sorgen dafür, dass Wasser in der Landschaft gehalten wird. Gleichzeitig ist auch klar, dass Flächeneigentümer und diejenigen, die diese Moorflächen besitzen und bewirtschaften, eine Perspektive für die Zukunft brauchen. Darum kommt es darauf an, dass auch nasse Moorflächen land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden können. Die Paludikultur stellt dabei eine nachhaltige Bewirtschaftungsweise dar, die wir voranbringen wollen.

Was braucht die Landwirtschaft aus Ihrer Sicht, um großflächig Moore wiederherzustellen und auf Paludi umzustellen?

Bundesumweltminister Carsten Schneider: Es wird nicht ausreichen, nur in Schutzgebieten Moore zu vernässen. Wir brauchen größere Flächen, um erfolgreich zu sein. Deshalb muss es auch darum gehen, Landwirte beim Umstieg auf eine nasse Bewirtschaftung der Flächen zu unterstützen, mit neuen Konzepten und Geschäftsmodellen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 

Was wird die Politik tun, um Paludi-Wertschöpfungsketten gezielt zu unterstützen?

Bundesumweltminister Carsten Schneider: Ich will noch in diesem Jahr eine Förderrichtlinie für nasse Landwirtschaft, also Paludikulturen, vorlegen. Das soll dabei helfen, die nasse Moorbodenbewirtschaftung wirtschaftlich zu machen und den Landwirtinnen und Landwirte den Umstieg auf neue Methoden und Geschäftsmodelle ermöglichen. Die Alternative wäre, dass die trockenen Böden uns irgendwann verloren gehen. 

Der Besuch von Bundesumweltminister Carsten Schneider hat die Bedeutung von Mooren für Klimaschutz, Biodiversität und Wirtschaft verdeutlicht. Paludikultur bietet dabei eine nachhaltige Nutzungsperspektive für nasse Moorflächen. Damit das gelingt, braucht es politische Unterstützung, innovative Geschäftsmodelle und Zusammenarbeit auf allen Ebenen. 

Jan Peters, Geschäftsführer der Succow Stiftung und Partner im Projekt PaludiAllianz, präsentiert Bundesumweltminister Carsten Schneider und Minister Dr. Till Backhaus einen nachhaltigen OTTO-Versandkarton aus Paludibiomasse – ein greifbares Beispiel dafür, wie wiedervernässte Moore neue Wertschöpfung ermöglichen, (c) Greta Gaudig/Greifswald Moor Centrum