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Ein Jubiläum und viel Pionierarbeit – Roundtable bei LEIPA in Schwedt/Oder

Genau zwei Jahre nach dem Auftakt der PaludiAllianz stehen die Unternehmensvertreter*innen der Allianz der Pioniere zusammen mit den Verbundpartnern der Umweltstiftung Michael Otto, der Michael Succow, Stiftung und der Universität Greifswald, beide Partner im Greifswald Moor Centrum, im Sernitz-Moor bei Angermünde. Knapp ein Jahr nach dem initialen Spatenstich zur Wiedervernässung im Rahmen der toMOORow-Initiative findet hier eine gemeinsame Exkursion statt, um sich vor Ort ein Bild der Baumaßnahmen zu machen und eine Vorstellung von der zukünftigen Bewirtschaftung der Torfwiesen zu bekommen.

Moorschutz hautnah: Ein Blick ins Sernitz-Moor

In der Sernitz-Niederung zeigt sich die praktische Wiedervernässung als naturbasierte Lösung für die Klimakrise und gegen das Artensterben, die durch die kürzlich verabschiedetet Palu-Richtlinie einen deutlichen Schub erfahren soll. Die großflächige Wiedervernässung bildet zudem die Grundlage für eine zukünftige Umstellung auf Paludikultur.

Dr. Franziska Tanneberger, Co-Leiterin des Greifswald Moor Centrum, unterstrich die Bedeutung von Moorschutz und Wiedervernässung zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und die Potenziale der Paludikultur für die wirtschaftliche Entwicklung. Für Deutschland ergibt sich nicht nur eine besondere Verantwortung, sondern auch große Chancen.

Unter der Grasnarbe befindet sich die mächtige Torfschicht. Foto: Michael Succow Stiftung/biofilm

Im Dialog mit der Landwirtschaft

Jan Peters, Geschäftsführer der Michael Succow Stiftung, betont, wie wichtig der Austausch mit ansässigen Landwirt*innen ist. Wenn die gesamte PaludiAllianz von Landwirt, über Verarbeiter bis zum Händler ins Gespräch kommt, entsteht gegenseitiges Verständnis und damit Raum für tragfähige Lösungsansätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die modifizierte Moor-Raupe ließ schon sehr gut erahnen, wie die zukünftige Nutzung mit Paludikultur vor Ort aussehen kann, wenn die Bauarbeiten im Laufe des Jahres abgeschlossen sind.

Die neue Palu-Richtlinie schafft Planungssicherheit und Anreize für die Landwirtschaft für die Wiedervernässung von Moorflächen. Es wird darauf ankommen, wie schnell und praxistauglich die Palu-Richtlinie umgesetzt werden kann. Darüber hinaus ist es für die landwirtschaftlichen Betriebe entscheidend, tragfähige Vermarktungswege für die entstehende Biomasse zu haben. Genau dafür leisten wir mit unserer toMOORow-Initiative und der Allianz der Pioniere einen entscheidenden Beitrag.

Vor Ort in den Sernitz-Torfwiesen treffen Vertreter*innen aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen. Foto: Michael Succow Stiftung/biofilm.
Die modifizierte Moor-Raupe ließ schon sehr gut erahnen, wie die zukünftige Nutzung mit Paludikultur vor Ort aussehen kann. Foto: Lukas Mikolajczyk/Umweltstiftung Michael Otto

Pionierarbeit für Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie: Roundtable bei LEIPA

Nicht weit von der Sernitz-Niederung entfernt und direkt angrenzend an den Nationalpark Unteres Odertal befindet sich die Papierfabrik der LEIPA in Schwedt/Oder, dem größtem europäischen Papierstandort auf 100 % Recyclingbasis. Zu Beginn des Roundtables am 30.04.2026 bekamen die Teilnehmenden eine exklusive Führung durch die imposante Anlage. Vor Ort treffen auch die beiden innovativen Unternehmen OutNature und LEIPA, beide Mitglied in der Allianz der Pioniere, aufeinander und arbeiten an einem innovativen Strohpapier. Während LEIPA als Spezialist für Recyclingmaterialien seit Jahrzehnten Maßstäbe setzt, bringt OutNature die Expertise für alternative Faserquellen ein. Gemeinsam arbeiten die Unternehmen auch mit Paludi-Fasern für den zukünftigen industriellen Einsatz.

Werksführung bei LEIPA in Schwedt/Oder. Foto: Umweltstiftung Michael Otto

Wirtschaftlichkeit und Rahmenbedingungen: Herausforderungen und Lösungen

Beim Roundtable diskutierten die Vertreter*innen der Unternehmen intensiv mit den Verbundpartnern über die Erfolge, Potenziale und Herausforderungen bei der Pilotierung mit Paludi-Biomasse und dem Aufbau von skalierbaren Wertschöpfungsketten.

Claudia Bühler, Vorständin der Umweltstiftung Michael Otto, machte deutlich, dass es zusätzlich zur Palu-Richtlinie ein Marktanreizprogramm für die Wirtschaft braucht, das die Unternehmen bei der Forschung und Entwicklung von skalierfähigen Wertschöpfungsketten mit Paludi-Biomasse unterstützt. Außerdem spielt die Anrechenbarkeit der positiven Klimaschutzwirkung durch Nutzung von Paludi-Biomasse in der Unternehmensberichterstattung eine wesentliche Rolle für die Wirtschaft – auch hier bedarf es noch der Anpassung. 

Die Entwicklung eines Marktanreizprogrammes für Paludikultur wird als sehr wichtig eingeschätzt und begrüßt. Die EU-weite CRCF-Regulierung schafft einheitliche Qualitätsstandards für freiwillige Klimaschutzmaßnahmen und sieht „Carbon Farming“ durch Paludikultur explizit vor. Für die Unternehmen sind qualitativ hochwertige und für ihre Zwecke anrechenbare Zertifikate aus Moor-Wiedervernässung besonders bedeutsam.

Gemeinsam arbeitet die Allianz der Pioniere an tragfähigen Business Cases. Dieses komplexe Unterfangen wird u.a. durch Systain Consulting begleitet, damit sichergestellt werden kann, dass Paludikultur auch wirtschaftlich eine echte, dauerhafte Perspektive bietet.

 

Fazit: Gemeinsam für Moorschutz und Wertschöpfung

Dieser Roundtable hat einmal mehr die Notwendigkeit einer engen Verknüpfung von Politik, Ökonomie und Ökologie gezeigt. Nur gemeinsam können wir Paludikultur als nachhaltige Lösung für Moorschutz und Wertschöpfung erfolgreich etablieren.