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Moor kann mehr: Wie OTTO Verpackungen mit Paludi-Biomasse revolutioniert

OTTO Versandkarton aus 10 % Paludi-Biomasse. Copyright: OTTO

Auch wenn OTTO nach Möglichkeit auf zusätzliche Verpackungen verzichtet, benötigen viele Artikel weiterhin einen stabilen Versandkarton. Genau hier setzt eine wegweisende Lösung an: der OTTO Paludi-Versandkarton. Er besteht zu mindestens 10 Prozent aus Paludi-Biomasse. Genauer gesagt aus Seggen, die auf wiedervernässten Moorflächen wachsen. Für diesen innovativen Ansatz wurde der Karton bereits mit dem renommierten Deutschen Verpackungspreis 2025 in der Kategorie „Materialsubstitution“ ausgezeichnet. Die unabhängige Jury lobte dabei besonders die hervorragende Funktionalität, Ressourceneffizienz und Recyclingfähigkeit bei gleichzeitiger ökologischer Verbesserung.

Die Paludi-Papiere kommen in der äußeren Lage des Versandkartons zum Einsatz. Sie bestehen neben der Paludi-Biomasse aus FSC®-zertifiziertem Recyclingpapier sowie je nach Größe aus einem geringen Anteil FSC®-zertifizierter Frischfaser, der für die nötige Stabilität des Pakets sorgt. Was als ambitionierter Pilot startete, geht jetzt in die großflächige Skalierung: Bis Ende 2026 sollen bereits 50 Prozent der OTTO-Versandkartons Paludi-Biomasse enthalten, mit dem klaren Ziel, bis Ende 2027 alle OTTO gebrandeten Kartons mit einem Anteil von mindestens 10 Prozent der Moorgräser auszustatten.

Karla Jabben. Copyright: OTTO

Eine der treibenden Kräfte hinter dieser Skalierung ist Karla Jabben. Als Senior Sustainability Managerin Packaging bei OTTO hat die Umweltwissenschaftlerin das zukunftsweisende Projekt von der ersten Testphase bis zum heutigen Hochlauf zusammen mit dem Projektteam vorangetrieben. Im Interview spricht Karla mit uns darüber, wie dieser Meilenstein in der Praxis gelingt, welche logistischen Hebel dafür bewegt werden müssen und warum echter Wandel nur im starken Verbund gelingt.

Wie kam es eigentlich zu der Entscheidung, Moorpflanzen wie Seggen für die Versandkartons von OTTO zu nutzen? Was waren auf dem Weg von der ersten Idee bis zur heutigen Skalierung die größten Herausforderungen?

Karla: Uns ging es nie darum, den Versandkarton an sich grundlegend zu verbessern. Der eigentliche Hebel liegt dahinter: Wir wollen dazu beitragen, einen Markt für Biomasse aus wiedervernässten Mooren aufzubauen und damit die wirtschaftliche Nutzung nasser Moore zu fördern. Die größte Herausforderung war deshalb nicht der Karton selbst, sondern der Aufbau einer neuen Liefer- und Wertschöpfungskette. Der Karton hat im Pilot gezeigt, dass er die Anforderungen in Produktion, Logistik und Recycling erfüllt.

Ihr habt die Kartons basierend auf den Erkenntnissen eines ersten Pilottestes noch einmal angepasst. Was genau habt ihr verändert und wie wichtig ist es, ein so komplexes Thema wie Moorschutz für die Kund*innen einfach und verständlich zu erklären?

Wir haben vor allem die Kommunikation geschärft. Unser Ziel ist, die Verbindung zwischen Verpackung und Wiedervernässung von Mooren einfach und greifbar zu machen. Denn nur wenn Kund*innen verstehen, warum Paludi ein relevanter Rohstoff ist, wird die Innovation auch sichtbar und erlebbar.

In der „Allianz der Pioniere“ arbeiten Wirtschaft, Wissenschaft und Landwirtschaft eng zusammen. Warum ist dieser ganzheitliche Ansatz so entscheidend, um skalierbare Wertschöpfungsketten erfolgreich aufzubauen?

Weil jede dieser Gruppen einen wichtigen Teil der Lösung beiträgt. Landwirtschaft erzeugt die Biomasse, Wissenschaft liefert die Daten und Unternehmen schaffen die Nachfrage. Nur gemeinsam können wir neue Wertschöpfungsketten aufbauen und Innovationen aus der Nische in den Markt bringen.

Gemeinsam mit der Universität Greifswald und weiteren Partnern der PaludiAllianz arbeitet ihr an einer fundierten ökologischen Wirkungsanalyse (LCA). Welche genauen Auswirkungen, zum Beispiel auf Wasser, CO2-Einsparung und Biodiversität, wollt ihr damit messbar machen?

Wir möchten belastbar quantifizieren, welchen Einfluss die Paludi-Kartons auf Umweltindikatoren wie Treibhausgasemissionen und Ressourcenverbrauch haben. Gleichzeitig wollen wir die ökologischen Vorteile der Wiedervernässung von Mooren wissenschaftlich besser sichtbar machen und transparent kommunizieren.

Euer erklärtes Ziel ist es, dass bis Ende des Geschäftsjahres 2027/2028 alle OTTO-Versandkartons mindestens 10% Paludi-Biomasse enthalten. Wie sieht der Fahrplan dorthin aus und wie wollt ihr den Faseranteil im Karton weiter steigern?

Bis Ende 2026 sollen rund 50 Prozent der OTTO Kartons einen Paludi-Anteil enthalten. Anschließend erfolgt die schrittweise Umstellung aller OTTO Versandkartons. Parallel prüfen wir gemeinsam mit unseren Partnern weitere Pflanzenarten und höhere Faseranteile, ohne die Anforderungen an Stabilität und Recyclingfähigkeit zu beeinträchtigen.

OTTO ist Vorreiter für Paludi-Kartons und die Nutzung von Paludi-Biomasse aus wiedervernässten Mooren. Welche Signalwirkung erhoffst Du dir von diesem Projekt für die gesamte Logistik- und Verpackungsbranche?

Ich hoffe, dass wir zeigen können, dass nachhaltige Materialinnovationen nicht nur im Pilotmaßstab funktionieren, sondern auch skalierbar sind. Je mehr Unternehmen solche Ansätze aufgreifen, desto größer wird die Nachfrage nach Biomasse aus wiedervernässten Mooren. Das kann dazu beitragen, die wirtschaftliche Nutzung wiedervernässter Moorflächen langfristig attraktiv zu machen.                             

Gemeinsam Zukunft einpacken

Die Paludi-Kartons von OTTO zeigen eindrucksvoll: Wenn Wirtschaft, Wissenschaft und Landwirtschaft mutig vorangehen, wird Klimaschutz an unserer eigenen Haustür greifbar. Die „Allianz der Pioniere“ beweist, dass nachhaltiger Wandel machbar ist – Karton für Karton.

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