Skip to main content

Zurück in die Zukunft: Die ‚Power to the Peatlands’-Konferenz 2026

Dr. Franziska Tanneberger hält eine Keynote auf der 'Power to the Peatlands'-Konferenz. Copyright: Power to the Peatlands.

Als PaludiAllianz waren wir bei der „Power to the Peatlands“-Konferenz in ’s-Hertogenbosch (Niederlande) dabei. Mit über 700 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Politik und Praxis war es das europaweit größte Treffen zum Thema Moore und ihrem Management. Unter dem Motto „Back to the Future: imagining tomorrow, acting today“ ging vor allem darum, wie wir visionäre Ideen in konkrete Handlungen übersetzen.

Die großflächige Wiedervernässung unserer Moore ist einer der wirksamsten Hebel, um den multiplen ökologischen Krisen zu begegnen, die sich diesen Sommer in ganz Europa auf so dramatische Weise gezeigt haben. Die entscheidende Frage für die Praxis lautet jedoch: Wie gelingt uns der Sprung von der ökologischen Notwendigkeit hin zur großflächigen wirtschaftlichen Umsetzbarkeit?

Genau dieses WIE stand im Mittelpunkt der zweiten „Power to the Peatlands“-Konferenz in ’s-Hertogenbosch (Niederlande). Als PaludiAllianz haben wir vor Ort mit über 700 internationalen Teilnehmenden aus Wissenschaft, Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft über die zentralen Herausforderungen und Lösungsansätze gesprochen. Unter dem Motto „Back to the Future: imagining tomorrow, acting today“ ging vor allem darum, wie wir visionäre Ideen in konkrete Handlungen übersetzen.

Großer Andrang bei der größten europäischen Moorkonferenz. Copyrights: Power to the Peatlands

Die Konferenz war in sechs zentrale Themenblöcke geteilt, um alle Facetten des Moorschutzes zu beleuchten. Dies ist auch ein Hinweis auf die große Vielfalt von Projekten und Herausforderungen sowie die große Komplexität des Themenfeldes. Die Diskussionen vor Ort machten deutlich, dass ein erfolgreicher und großflächiger Moorschutz weit über die reine Hydrologie hinausgeht. Alles beginnt mit einer soliden wissenschaftlichen Basis: Um den Nutzen für das Klima und die Artenvielfalt zu belegen, braucht es präzise Daten und moderne Überwachungsmethoden wie Satellitenmessungen. Doch die Theorie muss sich auf den Flächen bewähren und in konkrete Produkte überführt werden. Praktiker*innen teilten dazu wertvolle Erfahrungen und sprachen offen über Herausforderungen und Fehlschläge, um das kollektive Lernen voranzutreiben.

Gleichzeitig hat die Wiedervernässung immer auch eine soziale Komponente, die nicht unterschätzt werden darf. Moorschutz betrifft die Menschen vor Ort, die auf diesen Flächen wirtschaften. Ein zentraler Schwerpunkt lag daher darauf, wie wir lokale Gemeinschaften und Landwirt*innen aktiv einbinden, Brücken bauen und Landnutzungskonflikte lösen können.

Am Ende sind jedoch vor allem die Finanzierung und tragfähige Wertschöpfungsketten entscheidend. Wir müssen Wirtschaftlichkeit und Ökologie zusammendenken, damit nachhaltige Modelle im Sinne einer Bioökonomie entstehen können

Wirtschaftliche Kooperation: Das Side Event „Peatlands for Business“

Dr. Stefanie Figge-Wegener, WEPA, auf dem Side Event „Peatlands for Business“. Copytights: Wetlands International Europe

Auf dem Side Event „Peatlands for Business: Turning Restoration Into Real Returns“ haben wir uns genau dieser Schnittstelle gewidmet. Gemeinsam mit Dr. Stefanie Figge-Wegener von unserem Allianzpartner WEPA wurden die konkreten Hürden für die Skalierung von Wertschöpfungsketten aus Paludi-Biomasse diskutiert.

Die Wirtschaft hat großes Interesse an regionalen, nachhaltigen Rohstoffen aus der Paludikultur. Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Skalierbarkeit. Damit die Industrie auf Paludi-Rohstoffe umsteigt, braucht es verlässliche Liefermengen und eine homogene Qualität der Biomasse. In der PaludiAllianz arbeiten wir aktiv daran, dieses „Henne-Ei-Problem“ zu lösen, Angebot und Nachfrage gleichermaßen zu fördern und die Risiken und Unsicherheiten abzubauen, um Investitionen zu ermöglichen.

Ein solides wissenschaftliches Fundament

Dr. Franziska Tanneberger. Copyright: Power to the Peatlands

Damit dies in der Praxis gelingt, braucht es ein solides wissenschaftliches Fundament und eine anwendungsorientierte Begleitforschung. Unsere Kolleg*innen der Universität Greifswald (Partner im Greifswald Moor Centrum) waren ebenfalls anwesend und haben Einblicke in ihre Forschung gegeben:

In ihrer Keynote betonte Franziska Tanneberger gleich zu Beginn der Konferenz die enorme Bedeutung des Moorschutzes für die Bekämpfung der Biodiversitätskrise. Sie hob hervor, dass auch Paludikultur-Flächen wichtige Lebensräume für moortypische Arten bieten, wobei eine extensive Bewirtschaftung am besten geeignet ist. Zudem machte Franziska deutlich, dass es langfristige, großangelegte Wiedervernässungsmaßnahmen braucht, die über Ländergrenzen hinweg in europäischer Kooperation umgesetzt werden, um angemessen auf die massiven Biodiversitätsverluste zu reagieren.

Schilf als wichtiger Paludi-Rohstoff: Josephine Neubert stellte ihre Forschung zu Schilf (Phragmites australis) vor. Neben Untersuchungen zur Biomassequalität hat Sie eine umfassende Abfrage zu Flächenpotenzialen von Schilf in den sechs moorreichen Bundesländern, aber auch in Anrainerstaaten der Ostsee durchgeführt Das vorläufige Ergebnis zeigt einerseits ein großes Biomassepotenzial jenseits der Dachschilfqualität auf sowie ein starkes Interesse an der Vermarktung. Andererseits bestehen weiterhin Datenlücken, die durch weitere Untersuchungen geschlossen werden müssen.

Herausforderung Ökobilanzen (LCA): Clemens Kleinspehn beleuchtete die Hürden bei der Erstellung von Ökobilanzen für Paludi-Produkte. Als Praxisbeispiel diente der innovative Versandkarton von OTTO, der zu 10 % aus Paludi-Biomasse besteht. Clemens zeigte auf, dass klassische Ökobilanzen die vermiedenen Bodenemissionen durch wiedervernässte Moore bisher  nicht erfassen. Sein Vortrag klärte über die anstehenden Herausforderungen auf und zeigte den Handlungspielraum bei der Berichterstattung auf.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kooperation

Vor Ort haben über 700 internationale Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft über die zentralen Herausforderungen und Lösungsansätze gesprochen. Copyrights: Power to the Peatlands

Die vielen inspirierenden Vorträge und Diskussionen in Den Bosch haben deutlich gemacht, dass Paludi-Biomasse weitaus größeren Wert hat, der sich nicht nur im Preis zeigt: den gesellschaftlichen und ökologischen Nutzen. Die Vermeidung von Treibhausgasen, die Speicherung von Wasser und der Erhalt der Biodiversität müssen endlich eingepreist und an die Landwirt*innen und Unternehmen vergütet werden.

Diese Komplexität in verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu spiegeln, ist herausfordern. n. Eine Honorierung des ökologischen Mehrwerts ist jedoch der Weg, um Paludikultur zu einem lohnenden Investment für alle Seiten zu entwickeln. Wir in der PaludiAllianz arbeiten gemeinsam mit unseren Partnern genau an diesen Lösungen – damit aus den Visionen von heute die Realität von morgen wird.

Weitere Neuigkeiten